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lutz-zillmer    Artikel » lutz-zillmer » Cowboy
  Cowboy
  21.01.2012 von cheffi lutz
   



Ein Cowboy (engl. für ‚Kuhjunge‘) war die im Wilden Westen gebräuchliche Bezeichnung für einen Viehhirten. In anderen Regionen der Neuen Welt nannte man sie Gauchos (Argentinien, Uruguay, Paraguay), Huasos (Chile) oder Vaqueros (Mexiko, Venezuela) bzw. Vaqueiros (Brasilien).
Die Hauptzeit der Cowboys begann nach 1865, als riesige, verwilderte Rinderherden in Texas zusammengetrieben werden mussten und endete um 1880. Bis zu einem Drittel der Viehtreiber waren Afroamerikaner, die nach einer Verfassungserweiterung 1865 zwar frei von der Sklaverei waren, aber ohne Besitz und Arbeit.


Der Alltag


Der Beruf des Cowboys war vor allem im 19. Jahrhundert einer der schwersten, verbunden mit harter Arbeit und Entbehrungen. Ein Cowboy war oft 10 Stunden am Tag im Sattel mit wenig Unterbrechungen. Auf einem Viehtrail spielte sich das ganze Leben im Freien ab: Es wurde im Freien gegessen, geschlafen und Bedürfnisse verrichtet. Oft kam man wochenlang nicht aus den Kleidern heraus, womit auch hygienische Herausforderungen verbunden waren.
Auf den Routen gab es viele Gefahren für die Cowboys: Indianer, Viehdiebe oder korrupte Landbesitzer, die Zölle erhoben. Vor allem letzteres eskalierte in den späten 1870er Jahren, als es in Texas und New Mexico zu den „Weidekriegen“ kam. Die Herden vergrößerten sich zu dieser Zeit, aber die Weidefläche wurde knapp. Während dieser Zeit wurden die Cowboys in Schießereien und Gefechte verwickelt.
Auch wurden die Trails immer länger, da die Herden vom Weideland direkt zu den Schlachthöfen oder zu Verladebahnhöfen getrieben wurden. Zentren bzw. Umschlagplätze waren damals Abilene (Kansas), Hays (Kansas) und Dodge City. Wurde ein Trail erfolgreich beendet, bekamen die Cowboys ihren Lohn ausbezahlt und feierten ausgelassen in der Stadt. Nach Wochen der Entbehrung ging es meist in ein Badehaus, die Kleidung wurde gereinigt bzw. man hatte extra für diese Gelegenheit noch bessere Kleidung mit. Dann wurden die Abende in Saloons oder Bordellen verbracht, bis es wieder auf den nächsten Trail ging.
Die Aufgaben eines Cowboys waren sehr vielfältig. Nicht nur das Treiben der Rinder gehörte zu seinen Aufgaben, er war genauso zuständig für das Markieren der Rinder mit Brandzeichen sowie die gesundheitliche Betreuung der Tiere (z. B. beim Kalben). Waren die Cowboys auf Ranches, gab es auch dort eine Vielzahl von Arbeiten zu erledigen, wie z. B. das Reparieren der Zäune.

Ausrüstung und Kleidung


Die Kleidung des Cowboys war funktionale Arbeitskleidung – ursprünglich entsprach sie der Mode des 19. Jahrhunderts. Die Hosen waren grobe Wollhosen mit Ledereinlagen am Gesäß. Die Hosen gingen etwas weiter über die Hüften hinauf und wurden meist mit Hosenträgern getragen. Die Hemden waren damals klassisch noch nicht durchgeknöpft, sondern mussten über den Kopf gezogen werden. Darüber trug man bei Bedarf eine Weste, das Gilet. Für kalte Tage trug man Wolljacken oder Mäntel. Der Cowboyhut war ein sehr wichtiger Bestandteil, er schützte den Reiter vor Sonne und Regen. Weiter trug man Cowboystiefel, die es in vielen verschiedenen Designs und Ausführungen gab.
Die Ausrüstung bestand aus dem Sattel, der das zweitwichtigste Arbeitsgerät nach dem Lasso war. Die Stiefel waren mit Sporen versehen. Zur Verteidigung trug man einen Revolver, ein Messer und ein Gewehr. Um sich vor dornigem Gestrüpp zu schützen, trug man über den Hosen lederne Beinkleider, so genannte Chaps. Weitere Ausrüstungsgegenstände waren Essgeschirr und Besteck sowie eine Decke.
Um die Cowboys auf einem langen Viehtrieb, dem Trail, zu versorgen, wurde dieser von einem Küchenwagen, dem Chuck Wagon, begleitet. Diese waren perfekt auf das Mitführen von Vorräten und das Versorgen der Arbeiter mit Essen ausgelegt. Der Koch war oft nicht nur für das Essen zuständig, sondern half auch bei kleineren Verletzungen und betätigte sich auch als Barbier.

Das Pferd


Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand aus dem Arbeitspferd des Cowboys das American Quarter Horse. Schwerpunkte bei der Auswahl des Arbeitspferdes waren nicht nur die physischen Eigenschaften, sondern auch das Interieur. Das Pferd musste ohne Hände zu dirigieren sein, um die Hände für die Arbeit mit dem Lasso frei zu halten. Dazu wurden die Tiere nur durch Beinkontakte oder Pfiffe bzw. Zurufe gesteuert. Auch mussten diese Pferde für die Arbeit mit fliehenden Rindern extrem wendig sein und den so genannten Cow Sense (Sinn) besitzen.

Der Cowboy wird zur Legende


Besonders in den 1930er Jahren wurde eine nostalgische, romantisierte Version des Cowboys - und auch des Cowgirls - in den USA zu einer Modeerscheinung. Es etablierte sich ein bestimmtes Image des Cowboys mit äußeren Kennzeichen Hut, Stiefel, Pferd und Waffe als eines sehr männlichen, harten und wilden Mannes. Diese spiegelte sich z. B. in Comics, in der Country-Musik, in der Mode und vor allem im Western wider.
Manche subkulturellen Szenen pflegen diese Faszination Cowboy, betreiben einen regelrechten Kult und stilisieren Elemente des Cowboy-Images.
Auch die Tabakindustrie nutzt diese Faszination für ihre Werbung. Insbesondere die Philip-Morris-Marke Marlboro greift den Mythos Cowboy mit dem so genannten "Marlboro-Man" auf und schafft damit ein werbewirksames Stereotyp, das sicherlich auch die klischeehaften Vorstellungen vom Cowboy (vielleicht sogar die Klischees vom "echten Mann" an sich) verändert und beeinflusst hat.
Eine neue Facette fügte 2005 der Film Brokeback Mountain dem Cowboy-Kult hinzu, der das gängige Stereotyp und das dahinter stehende Männlichkeitsideal in einigen Punkten deutlich akzentuiert und relativiert.

Cowboykleidung heute


Auch in der Kleidermode taucht dieses Thema bis heute in regelmäßigen Abständen wieder auf. Markanteste Zitate der Mode sind Cowboyhut und Cowboystiefel, wobei sich allerdings nur der Stiefel zeitweise in der Alltagsmode der breiten Bevölkerung etablieren konnte. Mit ihm wird seitdem häufig klischeehaft proletenhaftes Macho-Verhalten assoziiert. Der Cowboystiefel erfuhr also in den letzten Jahrzehnten eine gewisse Bedeutungs-Metamorphose.
Der Cowboyhut wird nach dem wichtigsten Hersteller auch Stetson genannt. Schmuckelement ist die sog. Cowboykrawatte bolo tie, mit der der Hemdkragen abgeschlossen wird.

Gedenkstätte


Die Grant-Kohrs Ranch National Historic Site bei Deer Lodge in Montana erinnert an die Zeit der Open Range, als private Rancher ihre Herden unreglementiert auf öffentlichem Land weiden und durch Cowboys auf den langen Viehtrieben zur Eisenbahn treiben ließen. Sie ist seit 1972 im Besitz des Bundes, wird durch den National Park Service verwaltet und als aktive Ranch betrieben. Besucher können die Viehwirtschaft im Stil des späten 19. Jahrhunderts erleben und an Living History-Vorführungen teilnehmen.


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